Warum bilinguales Lernen in Frankfurt? Die Bevölkerung der Stadt Frankfurt am Main zeichnet sich durch eine große kulturelle
und sprachliche Vielfalt aus. Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern sind hier zuhause. Nicht nur im alltäglichen Zusammenleben und
im kulturellen Angebot sondern auch in den Schulen der Stadt spiegelt sich diese Vielfalt wider.
So wird im Rahmen eines Schulprojektes seit 1997
an drei öffentlichen Frankfurter Schulen (zwei Grundschulen und ein Gymnasium, siehe auch unter Die Schulen) bilingualer Unterricht in der
Sprachenkombination Deutsch-Italienisch angeboten.
Diesem bilingualen Modell liegt ein Abkommen zwischen dem Land Hessen und dem italienischen
Staat zugrunde, dessen Ziele die Anerkennung und der Erhalt der italienischen Herkunftssprache und -kultur, aber auch die Unterstützung der
italienischen Schülerinnen und Schüler im deutschen Schulsystem sind.
Was zeichnet das bilinguale Projekt aus? Das Frankfurter deutsch-italienische Schulprojekt ist unter den inzwischen zahlreichen
bilingualen Schulangeboten in Deutschland aus mehreren Gründen besonders bemerkenswert.
Es ist deutschlandweit eines der frühesten und bis heute
noch wenigen bilingualen Projekte an öffentlichen Schulen, die ausdrücklich eine der in Deutschland vorhandenen Migrantensprachen aufgreifen und
zum gleichberechtigten Lernziel machen.
Durch die Zusammensetzung der Klassen aus muttersprachlichen italienischen, deutschsprachigen und
zweisprachigen Kindern findet ein wechselseitiger sprachlicher und kultureller Austausch statt. Besonders erwähnenswert ist darüber hinaus,
dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler von der ersten Klasse der Grundschule an bis hin zum Abitur in der 13. Klasse (künftig durch
G8 in der 12. Klasse) bilingual unterrichtet werden. Mit dem deutschen Abitur und der italienischen Maturità können sie zudem einen doppelten
Schulabschluss erreichen.
Das Curriculum der bilingualen Klassen folgt dem Hessischen Rahmenplan und den deutschen Schulabschlüssen.
Darüber hinaus werden wesentliche Inhalte, Lernziele und didaktische Methoden der italienischen Schule integriert.
Neben den beiden Unterrichtssprachen Deutsch und Italienisch lernen die Kinder der bilingualen Klassen – ebenso wie die Kinder deutscher
Regelklassen – als weitere Fremdsprache Englisch ab Klasse 3, wahlweise Französisch oder Latein ab Klasse 6 und eine weitere Fremdsprache
als Wahlfach ab Klasse 8.
Für den Besuch der bilingualen Klassen wird kein Schulgeld erhoben.
Was wird erreicht? Die frühe Begegnung mit zwei Sprachen aktiviert die Neugier der Kinder und nutzt ihre natürlich
vorhandenen Sprachlernmechanismen für den Erwerb der neuen Sprache.
Durch das Aufgreifen der Herkunftssprachen werden die sprachlichen und
kulturellen Ressourcen der beteiligten Kinder einbezogen und wertgeschätzt. Die Kinder erwerben im selbstverständlichen Umgang mit den beiden
Sprachen Fähigkeiten im Verstehen, Sprechen und auch Schreiben, siehe auch unter Zweisprachige Alphabetisierung.
Der Grundstein für das erfolgreiche Erlernen
weiterer Sprachen wird hier schon früh gelegt.
Neben dem sprachlichen findet auch ein kultureller Austausch zwischen deutschen und
italienischen Kindern und ihren Familien statt. Durch das Aufwachsen in kultureller und sprachlicher Vielfalt werden günstige Voraussetzungen
dafür geschaffen, dass sich die Kinder zu toleranten, offenen Europäern entwickeln.
Das frühe bilinguale Lernen im mehrsprachigen Kontext geht
somit weit über den herkömmlichen schulischen Fremdsprachenunterricht hinaus.
Den drei Schulen des bilingualen Projektes wurde für ihre Arbeit
im Jahr 2006 der Europapreis verliehen (siehe auch unter Rückblick und Ausblick).
Was macht der Elternverein biLiS?
Der Verein biLiS war an der Entstehung des bilingualen Projektes in Frankfurt maßgeblich beteiligt und
unterstützt bis heute die beteiligten Schulen und Familien durch ergänzende Angebote und Tätigkeiten, wie Elternsprachkurse und Kreativangebote.
Der Verein betreibt darüber hinaus die Mensen der beiden Grundschulen, beschafft und finanziert die italienischen Lehrbücher für die Kinder
aller Klassenstufen sowie didaktisches Material für die Lehrkräfte (bis zum Schuljahr 2008/09).
Er tritt als Elternverein zudem für die
Interessen und Belange der Schülerschaft und Eltern gegenüber den Schulleitungen und Behörden ein. (siehe auch unter BiLis-Verein).
© biLis-Verein / letzte Aktualisierung: 20.08.2009 /
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